Auge um Auge – oder was?

Auge um Auge – oder was?

Letztens als ich nach Hause kam hatte ich einen Zettel an meiner Wohnungstür kleben. Da stand sowas wie

Hallo Nachbarn,
es währe nett wenn ihr morgen den Hof frei schippt. Gestern und heute haben wir es gemacht. Und falls ihr keinen Abfallkalender habt. Heut abend müssen die grauen Tonnen vor gestellt werden.
Danke
MFG Holperstein


Ich hätte mich jetzt aufregen können. Wahrscheinlich war das sogar das Ziel dieses netten Briefchens. Vielleicht haben die Herrschaften aber auch einfach ein Ventil für ihre versteckten Aggressionen gebraucht.
Ich hätte mich auch darüber lustig machen können, dass die Dame offensichtlich die deutsche Rechtschreibung nicht beherrscht. (Na gut vielleicht hab ich das auch ein wenig.)
Bisher haben die nur Kontakt mit uns aufgenommen indem sie die Tür aufgerissen und durch’s Treppenhaus nach unten geschrien haben. Na wenigstens war es jetzt ein Zettel. Diese Art der Kommunikation fand ich doch ganz nett.
Rate mal, was ich dann gemacht habe. Ich habe meinen Nachbarn ebenfalls einen Zettel an die Tür gehängt. Das stand sowas drauf wie

Liebe Nachbarn,
danke für’s Schneeschippen.

Warum ich nicht zurück geschossen habe? Hätte es denn einen Sinn denen jetzt zu erklären, warum ich nicht schneegeschippt oder die Tonnen vor gestellt habe?
Hätte ich jetzt irgendetwas davon, wenn ich mich über die Nachricht aufregen würde? Ne. Das wünschen die sich vielleicht so. Weiß ich nicht genau.
Schon Jesus soll gesagt haben: Liebe deinen Feind. Aber da gab es auch eine Person in meinem Leben, die ich persönlich kennen lernte und die mir etwas wichtiges beigebracht hat.
Sie sagte immer: „Wenn jemand unfreundlich zu dir ist, dann musst du besonders freundlich zu ihm sein. Denn dann steht er ganz schön dumm da und kann fast gar nicht mehr unfreundlich zu dir sein.“
Und danach lebte diese Frau. Sie hatte eine Menge Schicksalsschläge hinter sich. Mehrere Fehlgeburten musste die Dame durchstehen. Aber sie war weise geworden.
Für mich war sie ein Vorbild, denn trotz allen Steinen, die das Leben ihr in den Weg legte, gab sie immer ihr Bestes und verwirklichte sogar mit über 50 Jahren ihren Lebenstraum sich selbständig zu machen.
Deshalb, weil ich so viel Freundlichkeit und Glück bei ihr gesehen habe, habe ich diese Weisheit angenommen.
So versuche ich also immer dann, wenn mich jemand angreift, freundlich zu sein und es besser zu machen. Auch wenn das nicht immer gelingt.
Vielleicht brodelt es jetzt ein bisschen in dir, bei dem Gedanken zu jemandem nett zu sein, der dir übel mitspielen will.
Zum einen schadet Ärger aber nur dir selbst und wenn du bewusst freundlich bleibst kann der sich gar nicht so ausbreiten, wie er will.
Die andere Seite ist, dass du so ein wenig an die Menschlichkeit appellierst. Wenn du immer freundlich bleibst, dann wird sich dein Gegenüber automatisch schlechter fühlen, weil er so böse war und du das überhaupt nicht bist.
Wenn du vergeben und vergessen kannst ist das dann trotz der Schwierigkeiten außerdem ein guter Anfang für ein künftiges friedliches Zusammenleben.
Denk auch immer daran, wen du da vor dir hast ist auch bloß ein Mensch. Er hat seine eigenen Probleme, ist vielleicht gereizt und hatte einen schlechten Tag.
Vielleicht hat er aber auch tiefer sitzende Probleme und kennt keinen anderen Weg damit umzugehen, als das an anderen Menschen auszulassen.
Lass dich davon einfach nicht berühren und denke immer daran: Du allein bist Herr über deine Gefühle.
Also, wenn dich das nächste Mal jemand ärgert:

  • Bewahre Ruhe
  • Denke daran, dein Gegenüber ist auch nur ein Mensch
  • Vergelte Unfreundlichkeit mit Freundlichkeit
  • Lerne zu vergeben und zu vergessen

Du wirst sehen, es lohnt sich.
Lässt du dich manchmal ärgern, oder bleibst du immer ruhig und freundlich? Ich freue mich über dein Feedback 🙂

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Sandra

    Ich finde, Du hast absolut richtig gehandelt. Es macht überhaupt keinen Sinn, sich über andere Leute aufzuregen, denn man ärgert sich dadurch nur selbst. Zum Glück gilt das gleiche auch umgekehrt: wenn man anderen eine Freude macht, kommt die Freude zu einem zurück. Aber in unserem Alltag mit Stress und Hektik kommen kleine Freundlichkeiten häufig viel zu kurz. In jedem von uns lagert eine gesunde Portion Freundlichkeit, aber oft ist sie verschüttet unter Arbeit, Sorgen, to-do-Listen und schlechter Laune. Ich glaube fest daran, dass, wenn wir freundlich zu anderen (uns zu uns selbst) sind, die Freundlichkeit in uns nach und nach freigelegt und unsere Umgebung wird immer angenehmer wird.

    1. chrideschi

      Hi Sandra,
      ich glaube man könnte es als so etwas wie Karma beschreiben – alles was man aussendet kommt auch wieder zu einem zurück. Auch wenn ich wenig spirituell bin glaube ich an dieses System. Deshalb gebe ich mir Mühe, auch wenn es wie gesagt nicht immer klappt. Ich bin also absolut deiner Meinung. Ich wünsche mir dass ich und andere Menschen dieses Prinzip immer mehr ausbauen und umsetzen, denn dann wird die Welt ein besserer Ort. 🙂
      Liebe Grüße
      Tina

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