Brettspiel

3 Lebensweisheiten, von einem Gesellschaftsspiel verdeutlicht

Was man so alles lernen kann, nur durch ein simples Spiel – wieviel das Verhalten einer kleinen Gruppe mit dem Verhalten der Gesellschaft zu tun hat, das ist schon echt faszinierend. Diese Lebensweisheiten wurden mir bei einem solchen verdeutlicht.
Zur Feier des Geburtstags meines Bruders haben wir ein lustiges Partyspiel gespielt. Das Grundprinzip ist einfach: Es gibt Dorfbewohner und Wölfe.
Einige Dorfbewohner haben besondere Fähigkeiten, die man strategisch einsetzen kann. Die Wölfe töten Nachts die Dorfbewohner, tagsüber haben die Bewohner dann die Möglichkeit gemeinschaftlich jemanden zu lynchen, den sie für den Wolf halten.
Was in der ersten Runde passierte hatte ich sogleich prophezeiht: Ich sagte ich würde recht haben und vermutlich als erstes Sterben, weil es bei solchen Spielen meistens so ist.
Nun, ich hatte bereits die Hexe und einen Wolf entlarvt. Nur leider wurde ich schon am zweiten Tag gelyncht. Auf das was ich gesagt hatte wollte einfach keiner hören.
Am Ende stellte sich dann heraus, dass ich mit allen Vermutungen, die ich geäußert hatte recht behielt. Was ich nun aber daraus gelernt habe ist folgendes:
Die Masse hat selten recht
Die Leute denken ja immer, wenn alle es sagen, dann ist es richtig. Das stimmt aber nur selten. Denn wenn ich eins in meinem Leben (und in diesem Spiel) lernen musste, dann dass die Masse nur selten recht hat. Meistens hat eher der oder diejenige recht, die querdenkt, offen für neue Ansichten ist und sich eine eigene Meinung bildet, unabhängig davon, was alle anderen denken, sagen oder tun.
Im dunklen Zeitalter, da beschloss die Kirche eines schönen Tages, dass die Erde eine Scheibe sei. Fortan war es also allgemeingültig, dass die Erde eine Scheibe ist – ein Naturgesetz quasi.
Hat in dieser Zeit irgendwer behauptet, die Erde sei rund (dafür waren schon im alten Griechenland Hinweise bekannt) konnte es sein, dass er einfach erhängt wurde. Was mich zur zweiten Erkenntnis über die Gesellschaft führt:
Wenn du den Mund aufmachst, bist du tot
Da die Masse ja nun immer glaubt, sie habe recht, dieses Rechthaben aber auch nicht verlieren will, wird Jagd gemacht auf die Einzelnen, die etwas anderes sagen. Wer den Mund aufmacht wird ausgestoßen.
Dafür gibt es viele Beispiele, jede Art von Sekte (auch die christliche Religion), der Nationalsozialismus, heutige Diktaturen usw.
Wer nämlich den Mund aufmacht und anders denkt gefährdet damit den „Frieden“ der allwissenden Masse.
Intuition ist gut
Das weiß ich eigentlich schon lange, doch hin und wieder verliert man das Vertrauen ein wenig, bis man dann einen Beweis bekommt, dass man sich doch darauf verlassen kann. In der ersten Runde dieses Spiels habe ich mich auf meine Intuition verlassen und sie hat mich nicht im Stich gelassen.
Manchmal, da hat man einfach so ein Gefühl, zum Beispiel, dass man einen Job nicht annehmen sollte, auch wenn es logisch erscheint. Einige Frauen wissen auch intuitiv, dass sie Schwanger sind, obwohl man das noch gar nicht feststellen könnte.
So ähnlich ging es mir mit meiner Katze Kitty. Ich streichelte sie und dachte: irgendwas ist anders, die wird doch jetzt nicht schwanger sein? Ich fragte alle meine Freunde, aber sie sagten nur: Nein, die ist ja gar nicht dick. Tadaa, wenige Wochen später bewegte sich ihr Bauch. Mein Gefühl hatte es mir gesagt, meine Intuition – und hatte recht behalten.
Sicher gab es bei dir solche Situationen auch schon. Manchmal beißt man sich dann hinterher in den Hintern, weil man nicht auf das eigene Bauchgefühl gehört hat.
Fazit:
Ob es nur ein Spiel ist oder die Realität, du tust wahrscheinlich gut daran, auf deine Intuition zu hören, dir deine eigene Meinung zu bilden und strategisch klug vorzugehen, wenn du anders denkst, sprichst oder handelst als alle anderen.
Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass man sich verstecken, oder hinterm Berg halten sollte, nur weil man „gelyncht“ werden könnte. Meistens lohnt es sich, den Mund aufzumachen. Denn egal was passiert, du kannst ruhig schlafen, denn du hast nach deinen Werten gelebt und gehandelt. Das ist es, was im Leben am Ende wirklich zählt.
Hast du schon Mal aus einem Gesellschaftsspiel etwas gelernt? Ich freue mich über dein Feedback. 🙂

0 thoughts on “3 Lebensweisheiten, von einem Gesellschaftsspiel verdeutlicht

  • Dein Beispiel ist klasse! Ich habe auch eine wichtige Lebensregel für mich beim Spielen gewonnen: bei Rommé.
    Beim Rommé müssen strategisch jede Menge Einzelentscheidungen getroffen werden: nehme ich die Karte oder nicht, welche lege ich ab, komme ich raus oder warte ich noch … und hinterher ärgert man sich doch. Mir war das irgendwann zu viel Stress und ich habe angefangen, mir mit Grundsatzentscheidungen das Spiel leichter zu machen. Zum Beispiel: mit 40 komme ich raus, egal, was ist. Ach! Kein hin- und herüberlegen mehr, keine Sorge mehr, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, kein Bereuen eines vielleicht falschen Spielzugs. Sondern: ein leichtes Spiel! Und erfolgreich!
    Von der Leichtigkeit und dem Erfolg angespornt, habe ich irgendwann angefangen, diese Strategie auch auf den Alltag zu übertragen:
    Grundsatzentscheidungen machen das Leben leichter!
    Ich beobachte genau, welche kleinen Alltagsentscheidungen mir immer wieder schwer fallen oder Sorgen bereiten und treffe in diesen Bereichen Grundsatzentscheidungen, die ich in regelmäßigen Abständen, aber viel seltener als Einzelentscheidungen, überprüfe.
    Zum Beispiel habe ich mich für eine Drei-Mahlzeiten-Strategie entschieden. Damit fallen alle Zwischenmahlzeiten aus, und ich muss nie mehr entscheiden, ob ich diesen einen Streuseltaler zwischendurch noch essen kann oder lieber nicht.

    • Hi Sandra,
      Das klingt für mich ja schon richtig Minimalistisch! Ist auf jeden Fall eine gute Idee um das Leben einfacher zu gestalten. Danke. 🙂
      Lg
      Tina

  • Ich bin beruflich viel im Krisenmanagement unterwegs und kann Deine Feststellungen nur unterstreichen. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell es zu einer kaum aufzuhaltenden Gruppendynamik kommt. In den besten Fällen ist zum „Anführer“ jemand bestellt wurden, der analytisch vorgeht und dabei offen gegenüber Lösungsmöglichkeiten und Lösungswegen ist. Mit Sicherheit ist da auch immer eine gute Portion Intuition dabei, das wohlbekannte Bauchgefühl.
    Ich denke, egal welche Entscheidung man trifft, man sollte sich am Ende selbst „in die Augen schauen“ kann. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, bei einer evtl. Fehlentscheidung einen Schritt zurückgehen zu können und Fehler einzugestehen. Leider verhindert in den meisten Fällen einen solchen Schritt eben die Gruppendynamik.

    • chrideschi says:

      Hi Patrick,
      Du hast recht, das Problem dabei besteht wohl darin, dass keiner mehr von seiner „Wahrheit“ abrücken kann. Das ist sehr oft, natürlich auch beim einzelnen ein Problem, welches zu sozialen Konflikten führt.
      Lg
      Tina

  • Ich habe vor kurzem wieder mit dem Bloggen begonnen und bin daher auf der Jagt nach interessanten Blogs. 😉 Deiner hat mich überzeugt, bisher habe ich nämlich keinen derart mutig geschriebenen Blog gelesen. Finde ich gut und ich werde hier öfter mal vorbei schauen.

    • Danke für die Blumen 🙂
      Ich wusste gar nicht, dass ich so mutig bin 😉
      Viel Spaß beim Stöbern und viel Erfolg mit deinem Blog.
      Liebe Grüße
      Tina

      • Gern geschehen. 🙂 Du sagst halt deine Meinung frei heraus, viele Menschen tun das leider nicht. Du hast mich sogar ein wenig zu einem Gedicht motiviert. Ich habe es dir in meinem Namen verlinkt. 🙂 Beste Grüße.

        • chrideschi says:

          Wow Imke, dieses Gedicht ist ja auch mutig und ein ebenso wichtiges Thema. Schön dass ich dich inspirieren konnte. 🙂
          Liebe Grüße
          Tina

  • Hey!
    Ich finde auch man sollte seine eigenen Enscheidungen treffen ohne großen Einfluss von anderen. Sowas verunsichert und nimmt ein den Glauben an sich selbst.
    Früher wollte ich immer das alle Leute mich mögen, und wenn es mal jemanden gab der mich überhaupt nicht leiden konnte, habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen warum das wohl so ist und alles Mögliche versucht irgendwie der Person zeigen zu können das er sich in seiner Ansichtsweise mir gegenüber geirrt hat. Man war jung und wollte auch zu den coolen Jungs gehören. Kennt ihr bestimmt auch noch von früher (Absoluter Blödsinn!!!!!) Eines Tages hab ich mich mal gefragt: ey was machst du da überhaupt?
    Du verstellst dich um anderen zu gefallen?
    Du belügst dich um anderen Willen?
    Ich bin Ich!!!!
    Entweder man mag MICH oder man mag MICH nicht!!!! FERTIG!
    Von da an hat sich alles geändert für MICH.
    Ich gehörte zwar nicht zu den ganz coolen Jungs, aber zumindest war ich wieder mir treu.
    Wenn Du mit offenen Augen durch die Welt läufst erkennst du schon von weiten was richtig und was falsch ist.
    Manchmal muss man im Leben scheisse fressen (und das habe ich tonnenweise) Es passierten plötzlich so viele Dinge auf einmal, die konnte ich gar nicht so schnell kommen sehen, und wieder liegst du am Boden und musst erneut kämpfen!!!
    Nach gefühlten 1000 Male am Boden liegen und wieder von vorne kämpfen, habe ich mich irgendwann gefragt.: Wo für kämpfst du überhaupt noch, wenn Du eh immer wieder Nackenschläge bekommst und einfach kein Glück auf Dauer verdient hast?!? Wofür?!? Trotzdem bin ich immer wieder Aufgestanden und hab von vorne gekämpft. Mittlerweile weiß ich wofür!!! Es gibt (fast)nichts mehr im Leben was mich aus der Bahn werfen kann. Dank meiner positiven aber doch mehr von den extrem vielen negativen Erfahrungen bin ich schon sehr Stark geworden und nimm vieles was passiert schon gar nicht mehr für so schlimm. Ich kann nur eins noch sagen.:
    „Sei für jede Erfahrung im Leben dankbar und sei es auch noch so hart und schwer oder Vorallem unfair“. Nutze das für dich zum Positiven.Ziehe das bestmögliche daraus Und du wirst sehen, wo andere gnadenlos untergehen werden . Bist du der jenige der noch mit beiden Beine am Boden steht.
    Noch was zu den coolen Jungs von früher: ganz ehrlich die coolen Jungs von früher sind heute gar nicht mehr so cool., ganz im Gegenteil heute sind das nämlich solche Leute die beim ersten oder beim zweiten Nackenschlag Knockout gegangen sind!!!
    Etwas viel ich weiß aber musste ich mal los werden
    MfG _Ton_Ton

    • Hi _Ton_Ton,
      danke für deine motivierenden Erfahrungen! Klar, es ist erst Mal normal dass wir anderen gefallen wollen. Aber wie du es so schön beschrieben hast, fängt die Freiheit erst dann an, wenn wir begreifen, dass das überhaupt nicht notwendig ist.
      Alles Liebe
      deine Tina

  • Das Leben ist ein Spiel, ja!
    So richtig aufgefallen ist mir das schon in jungen Jahren, als ich zum ersten mal mit der Börse in Berührung kam…
    … und heute kann ich Dich voll bestätigen. Es ist fast immer so…
    Danke und liebe Grüße!
    Peter

    • Hi Peter,
      wenn es um die Börse geht kann ich leider nicht wirklich mitreden. Aber die vielen Aufgaben im Leben als Spiel zu betrachten ist eine so hilfreiche Sichtweise, kaum vorstellbar.
      Alles Liebe
      deine Tina

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